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Die Varroamilbe ist dieses Jahr besonders hartnäckig. Bei uns in Gera sehen wir es an unseren eigenen Völkern: manche stehen gut da. Andere sind massiv belastet. Und das, obwohl wir behandelt haben.
Du kennst das Gefühl vielleicht auch. Und die Ursache liegt oft nicht bei dir.

Was hinter dem Befallsdruck steckt
Im Spätsommer sinkt die Brutmenge im Volk. Logisch – die Königin legt weniger, die Tracht geht zu Ende. Was nicht sinkt: die Zahl der Milben. Sie steigt sogar weiter.
Das Ergebnis: Auf weniger Brutzellen kommen relativ mehr Parasiten. Und mit ihnen mehr Viren. Diese Entwicklung ist normal – jedes Jahr. Sie erklärt aber nicht, warum manche Völker plötzlich extrem betroffen sind, während der Nachbarstock kaum was abbekommt.
Dafür braucht es einen zweiten Faktor.
Der unterschätzte Faktor: Reinvasion durch Räuberei
Wird das Nektarangebot knapp, holen sich starke Völker, was sie brauchen – notfalls beim schwächeren Nachbarn. Räuberei nennt man das. Und genau hier liegt das Problem.
Schwache Völker haben oft besonders viele Milben. Wer sie ausräubert, schleppt diese Milben mit heim. Ins eigene Volk. In die eigene Beute.
Dieses Jahr kommt ein weiterer Faktor dazu: Es war ein regelrechtes Schwarmjahr. Auffällig viele Völker sind geschwärmt – und nicht jeder Schwarm wurde eingefangen. Ein nicht eingefangener Schwarm zieht mit seiner kompletten Milbenlast weiter. Findet er kein neues Zuhause oder bricht irgendwo unbemerkt zusammen, wird die letzte Bienengeneration zur Milbenschleuder – für alles, was in der Nähe fliegt. Bei so vielen Schwärmen wie dieses Jahr heißt das: potenziell viele zusätzliche Milbenquellen, die niemand kontrolliert.
Steht dein Stand dicht an anderen – egal ob eigene Völker oder die von Kollegen in der Nähe – steigt das Risiko zusätzlich. Auch Verflug spielt mit rein: Bienen verirren sich zwischen Völkern und nehmen Milben unabsichtlich mit.
Das Tückische daran: Selbst eine gute Behandlung im eigenen Volk kann so wieder zunichtegemacht werden. Von außen, ohne dass du etwas falsch gemacht hast.

Was du jetzt tun kannst
Gegen Reinvasion von außen kannst du wenig ausrichten. Gegen die eigenen Völker schon.
- Diagnose statt Bauchgefühl. Windel für drei Tage unterlegen, Milbenfall zählen. Erst dann weißt du, wo du stehst.
- Sofort behandeln, nicht abwarten. Stark belastete Völker werden sonst selbst zur Quelle – für dich und für alle in der Umgebung.
- Abstand halten. Stände nicht zu dicht setzen, wo es geht. Weniger Verflug, weniger Übertragung.
- Räuberei früh erkennen. Unruhe am Flugloch, kämpfende Bienen, herumliegende Bienenleichen – Warnzeichen ernst nehmen.

Wie wir das bei uns machen
Wir imkern seit 2021 am Stadtrand von Gera. Nicht als großes Geschäft sondern weil wir es wollen. Unsere Völker kontrollieren wir regelmäßig, auch wenn es Zeit kostet. Lieber ein Nachmittag mit der Windel als ein Volk, das im Winter nicht mehr da ist.
Dieses Jahr hat uns trotzdem überrascht, wie unterschiedlich die Völker reagieren. Zwei stehen zehn Meter auseinander – und die Befallszahlen könnten kaum weiter auseinanderliegen. Reinvasion ist wahrscheinlich der Hauptgrund.
Fazit
Ein hartnäckiger Befall heißt nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast. Reinvasion durch Räuberei ist real – und schwer zu kontrollieren. Was bleibt, ist regelmäßig hinschauen. Und behandeln, bevor es zu spät ist.
FAQ
Warum ist die Varroamilbe dieses Jahr so schlimm? Im Spätsommer sinkt die Brutmenge, die Milbenzahl aber nicht. Dazu kommt Reinvasion durch Räuberei und Verflug – das verstärkt den Befall zusätzlich.
Was bedeutet Reinvasion bei der Varroamilbe? Damit ist gemeint, dass Milben von außen ins Volk gelangen – durch Räuberei an schwachen Völkern oder durch Bienen, die sich zwischen Ständen verfliegen.
Kann ich Reinvasion komplett verhindern? Nein, nicht vollständig. Du kannst das Risiko senken, indem du Stände nicht zu dicht setzt und Räuberei früh erkennst. Der äußere Einfluss bleibt aber bestehen.
Woran erkenne ich Räuberei am Bienenvolk? Typisch sind Unruhe am Flugloch, kämpfende Bienen und tote Bienen davor. Auch ein ungewöhnlich hoher Flugverkehr an einem schwachen Volk ist ein Warnzeichen.
Warum spielt ein Schwarmjahr bei der Varroamilbe eine Rolle? In einem starken Schwarmjahr werden nicht alle Schwärme eingefangen. Ziehen sie weiter oder brechen unbemerkt zusammen, geben sie ihre komplette Milbenlast an die Umgebung ab – eine zusätzliche Quelle für Reinvasion.
Wie finde ich heraus, wie stark ein Volk befallen ist? Mit einer Diagnosewindel. Drei Tage unterlegen, den natürlichen Milbenfall auszählen – erst dann hast du eine verlässliche Zahl statt eines Bauchgefühls.
Warum sind manche meiner Völker stark belastet und andere kaum? Das hängt oft mit Reinvasion zusammen. Ein schwaches oder befallenes Volk in der Nähe kann gezielt einzelne Nachbarn stärker treffen als andere.
Ab wann sollte ich behandeln? Sobald die Diagnose zeigt, dass die Schadschwelle überschritten ist – warten verschlechtert die Lage meist nur, gerade wenn Reinvasion mit hineinspielt.